9/11 Kids

Es ist der 11. September 2001. George W. Bush liest gemeinsam mit den SchülerInnen in einer Grundschule in Florida ein Buch. Die meisten von ihnen sind Afroamerikaner oder Hispanoamerikaner. Mitten in der Stunde erreicht ihn die Nachricht des Terroranschlags. Die Bilder gehen um die Welt. Was ist aus den SchülerInnen im Kontext von Rassismus und „Black Lives Matter“ 20 Jahre danach geworden?

9/11 Kids

Es sollte eine Werbeaktion für George W. Bushs neues Bildungsprogramm „No Child Left Behind“ sein und endete mit einem der dunkelsten Tage in der Geschichte der USA. George W. Bush sitzt am 11. September vor 16 SchülerInnen der Emmma E. Booker Grundschule in Sarasota, Florida. Sie sind zwischen sechs und sieben Jahre alt, die meisten Afroamerikaner oder Latinoamerikaner aus einkommensschwachen Familien. Sie sind ausgewählt worden, weil sie zu den Besten ihrer Schule gehören. Heute dürfen sie dem Präsidenten vorlesen, werbewirksam stehen Kameras und Journalisten um sie herum.

Andy Card, Stabschef des Weißen Hauses, läuft zu George W. Bush und flüstert ihm ins Ohr: „Ein zweites Flugzeug hat das World Trade Center getroffen. Amerika wird angegriffen.“

Der Präsident wirkt fassungslos, sitzt minutenlang regungslos auf seinem Stuhl. Dann liest er weiter. Die Bilder werden später um die Welt gehen. Was ist aus diesen Kindern geworden? Wie haben die politischen Entscheidungen nach 9/11 ihr Leben beeinflusst?

Der Film „9/11 Kids“ folgt sechs der ehemaligen SchülerInnen über den Zeitraum von einem Jahr und geht der Frage auf den Grund, wie dieser Tag ihr Leben und das ihres Landes verändert hat. Zwei Jahrzehnte später, nach der „No Child Left Behind“- Kampagne, nach dem Versprechen für mehr Chancengleichheit, protestieren viele der damaligen Kinder, heute Mitte Zwanzig, in der „Black Lives Matter“-Bewegung gegen Diskriminierung, Rassismus und Polizeigewalt in den USA. Wie konnte es dazu kommen?

 „9/11 Kids“ zeichnet ein facettenreiches Portrait von Afroamerikanern und Hispanoamerikanern in den USA, ein Blick in ein Milieu, das in den täglichen Nachrichten oft auf Kriminalität und Gewalt reduziert wird. Ihre Schicksale sind symptomatisch für das Trauma einer Generation, die mit der Angst vor globalem Terror, zwei kostspieligen Kriegen, einer globalen Wirtschaftskrise und der digitalen Revolution aufgewachsen ist.

Einige sind kriminell geworden, andere versuchen aus ihren Strukturen auszubrechen oder dienen ihrem Land im Militärdienst – ein Überlebenskampf.

Ihre Biografien spiegeln die innenpolitischen Konflikte wider. Der 11. September hat das Leben für People of Color in den USA nicht einfacher gemacht: Kurz nach dem Anschlag ist ganz Amerika vereint im Schmerz und der Entschlossenheit, schnelle Gerechtigkeit kriegerisch herbeizuführen. Fast zwei Jahrzehnte, nach al-Qaida und ISIS, ist das Misstrauen der US-Amerikaner gegenüber Einwanderern, Fremden und sogar den eigenen Nachbarn unter Präsident Donald Trump so groß wie nie zuvor – und zu einer politischen Agenda geworden.

Der Film zeigt ein differenziertes Bild der People of Color und soll nicht einseitig Stellung beziehen, sondern in den Geschichten und Gedanken der ProtagonistInnen die Komplexität der Rassenkonflikte erzählen. Das Gefühl der Wert- und Chancenlosigkeit, die prekären Familienverhältnisse, das Unverständnis der Privilegierten haben sich zu komplexen Strukturen verfestigt – und entladen sich heute in teils gewalttätigen Krawallen und Protesten…

Regie: Elizabeth St. Philip
Kamera: Chris Romeike
Montage: Greg West
Creative Producer: Tuan Lam, Julia Krampe
Produktionsleitung: Krystal Di Marca, Cory-Michael Walker
Herstellungsleitung: Betty Orr, Kathrin Isberner
Redaktion: Christiane Hinz, Jutta Krug (WDR/ARTE)
Produzent: Christian Beetz, Steve Gamester, Elizabeth St. Philip

Koproduktion

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Kooperation

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Förderer

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