Gangster, Gefangene und GIs – Garmisch in den Nachkriegsjahren

Garmisch-Partenkirchen ist weltweit bekannt für landschaftliche Idylle, alpines Panorama und bayrische Tradition. Dieses Image hat Geschichte. Hitler war 1936 mit […]


Gangster, Gefangene und GIs – Garmisch in den Nachkriegsjahren

Garmisch-Partenkirchen ist weltweit bekannt für landschaftliche Idylle, alpines Panorama und bayrische Tradition. Dieses Image hat Geschichte. Hitler war 1936 mit den Olympischen Winterspielen bemüht, Garmisch als deutschen Vorzeigeort international zu etablieren. Es folgten vernichtende Kriegsjahre, in denen Garmisch als Alpenfestung propagiert wurde. Der Mythos jedoch war schnell enttarnt. Zwar versuchten bei der Einnahme durch die vorrückende US-Army wenige SS-Angehörige den Ort zu verteidigen. Doch die Übernahme erfolgte schließlich weitgehend kampflos. Garmisch-Partenkirchen blieb von Bombardements verschont und das Ortsbild ist bis heute erhalten.

Mit dem Sieg über Nazideutschland trafen 1945 plötzlich Menschen in Garmisch aufeinander, die sich vorher als Feinde gegenüberstanden. Amerikanische GIs trafen auf einheimische Deutsche: Nazis und Mitläufer, Kinder und Witwen, gefangene Soldaten und Arbeiter. Aber auch Flüchtlinge und befreite KZ-Häftlinge lebten im Ort. Aufgrund der Grenzlage zu Österreich und der Lebensmittelknappheit florierte der Schwarzmarkt. Lebenswelten, die es so zwar auch in anderen Städten Deutschlands gab, prallten hier in besonderer Weise und auf engstem Raum aufeinander – die Nachkriegszeit im Brennglas.

Was erwartete die Amerikaner in Deutschland? Wie erlebten die Garmischer diese Zeit und ihre neue Militärregierung? Im Film nähern wir uns diesen Fragen aus beiden Perspektiven. Eine historische Besonderheit ermöglicht einen authentischen Zugang zu dieser Zeit: Garmisch ist die einzige Deutsche Stadt, in der unmittelbar nach Kriegsende eine Zeitung erschien. Medien waren in Restdeutschland mit dem Einmarsch der Allierten verboten worden. Im Sommer 1945 wurde in den Kleinanzeigen Arbeitskraft im Tausch gegen eine Kartoffel angeboten, Englischlehrer oder vermisste Familienmitglieder gesucht. Auf der Titelseite waren Bekanntmachungen der Militärregierung und des Bürgermeisters abgedruckt, die den verwalterischen Aufwand des Umbruchs nachempfindbar machen. So entstand mit dem Tagblatt ein eindrucksvolles und einzigartiges Zeugnis der Besatzerzeit. Die Zeitung führt als roter Faden durch den Film, indem Zeitzeugen und Historiker immer wieder Bezug darauf nehmen.

Die Anziehungskraft der alpinen Landschaft auf die Amerikaner hat den Lauf der Geschichte beeinflusst und das Image von Bayern und Garmisch in der Welt berühmt gemacht. Ein bekannter Bürger der Stadt, liefert einen zeitgenössischen Soundtrack zum Film: Richard Strauss komponierte 1945 in Garmisch seine „Metamorphosen“ und ein Oboenkonzert. Auch in der Musik werden die Gegensätze dieser Zeit deutlich.

Ein Film über Idyll und Zerstörung, Leben und Tod, Gefangene und GIs. Garmisch 1945.

Regie: Annette Baumeister
Kamera: Johannes Straub
Redaktion gebrueder beetz: Marlene Wynants
Redaktion: Andrea Bräu (BR)
Produzent: Reinhardt Beetz
Produktionsleitung: Sebastian Johannsen

Koproduktion

BR

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