Blixa Bargeld- Ma Vie/Mein Leben

Er ist eine der schillerndsten Figuren der deutschen Musikgeschichte: Blixa Bargeld – kaputt, dämonisch und orignell. Niemand verkörperte das Lebensgefühl der Westberliner Punk- und Dilettantenszene in den frühen 80er Jahren so wie er. Noch heute wird Blixa Bargeld hauptsächlich als Sänger und Kopf der Einstürzenden Neubauten wahrgenommen, dabei ist er ein Multitalent.


Blixa Bargeld- Ma Vie/Mein Leben

Auf der Bühne eines Einstürzende-Neubauten-Konzerts sah es damals aus wie auf einer Baustelle. Man beobachtete die Band im wahrsten Sinne des Wortes bei der Arbeit. Maschinenteile, Kettensägen und Presslufthämmer waren die Instrumente, Metallrohre und Schrott aller Art dienten als Schlagzeug-Ersatz. Mittendrin ihr Sänger – eine der schillerndsten Figuren der deutschen Musikgeschichte: Blixa Bargeld. Niemand verkörperte das Lebensgefühl der Westberliner Punk- und Dilettantenszene in den frühen 80er Jahren so wie Blixa Bargeld. So kaputt, so dämonisch und dabei so originell war sonst keiner. Noch heute wird Blixa Bargeld hauptsächlich als Sänger und Kopf der Einstürzenden Neubauten wahrgenommen, dabei ist er ein Multitalent und hat sich nie auf Musik beschränkt. Seit Anfang der 80er Jahre arbeitet Bargeld in allen Sparten der Darstellenden Kunst. In Filmen und Hörspielen, Theaterinszenierungen, Konzerten, Performances und Installationen tritt er international in wechselnden Rollen auf; er ist Sänger und Schauspieler, Regisseur und Autor, Musiker, Dichter und vor allem: Experimentator. Wie er selbst sagt: „Ich bin alles Mögliche und alles dazwischen.“ Blixa Bargeld war und ist eine Kunstfigur. Auch wenn er seine fahrige und zerstörte Erscheinung von einst – seine teils rasierte, teils wüste Haarpracht, seine schwarze Gummi- und Ledergruft – gegen dunkle maßgeschneiderte Anzüge und eine, in ihrer Symmetrie fast symbolisch anmutende Frisur eingetauscht hat, so hat er nichts von seiner Kompromisslosigkeit verloren.
Als echter Künstler ist Blixa Bargeld natürlich auch anstrengend: er ist despotisch, ungeduldig, aufbrausend und rechthaberisch. Auf die Frage nach seinem arroganten Image, platzt er heraus: „Arrogant – mit Berechtigung!“ Andererseits ist er liebenswert, gastfreundlich und als Schulabbrecher überraschend belesen und gebildet.

Wir vollziehen die Stationen seiner nunmehr drei Jahrzehnte andauernden künstlerischen Karriere nach und begleiten Blixa an die aktuellen Orte seines kreativen Schaffens. Sein Wohnsitz ist mittlerweile auf drei Erdteile verteilt – San Francisco, Peking und Berlin – die Basis für sein weltweites Agieren ist aber bis heute seine Geburtsstadt Berlin. Hier treffen wir auf seine „Bandbrüder“ Alexander Hacke und Andrew Unruh und beobachten den nicht ganz undespotischen Blixa während Proben im Studio. Im nächsten Moment finden wir uns in einem großzügig und hell eingerichteten Haus in San Fransisco wieder. Während der Regen gegen die Scheiben prasselt, blicken wir auf einen ruhigen Blixa, lesend auf dem weißen Sofa. Unerwartet wirft der Film Blicke hinter die laute und schrille Fassade der Figur Blixa und portraitiert deren besinnliche, sehnsüchtige und tiefe Seite.

„Blixa Bargeld – Mein Leben“ zeigt einen erstaunlich aufrichtigen und offenen Blixa, der trotz seiner Zugänglichkeit nichts von seiner Radikalität verloren hat. Untermalt von alten Aufnahmen, staunen wir über die Resolutheit und Zerstörtheit des jungen Blixa und finden dessen Kompromisslosigkeit in den Bildern des Jetzt wieder. Obgleich sanfter, freundlicher und inmitten eines beinahe alltäglichen Umfeldes, ist Blixa sich und seiner Radikalität treu geblieben. Von Altersmilde keine Spur.

Buch / Regie: Birgit Herdlitschke

Kamera: Ingo Brunner, Patrick Meyer-Clement
Ton: Bianka Schulze, Timothy Benton
Schnitt: Carsten „Peewee“ Piefke
Produktionsleitung: Julie Schrader, Daniela Schöne, Maria Wischnewski

Produzent: Christian Beetz
Redaktion: Ann-Christin Hornberger

Kooperation