Tizian – Der Meister der Farben (AT)

Das Genie der Hochrenaissance, der bestbezahlte Maler der Serenissima – und der Erfinder der Kunstfabrik. Tizian erschafft Riesenateliers und Mammutwerke. Mit seinem Talent und Geschäftssinn manövriert er sich durch die Intrigen und Machtkämpfe europäischer Höfe des 16. Jahrhunderts und stellt die Weichen für eine Verkaufs- und Kunstpraxis, die heute wichtiger ist denn je…


Tizian – Der Meister der Farben (AT)

Es ist Anfang des 16. Jahrhunderts. Ein Junge wandert die Berge des Dogado herunter – und blickt durch eine Waldlichtung auf eine mit Gold bedeckte Stadt. Nur ein paar Jahre später wird er in Venedig als der „hervorragendste unter den Malern“ ausgezeichnet – nicht nur durch die schützenden Hände seiner Gönner, sondern auch durch kühnes Marketing für seine Person und Bilder.
Bereits in jungen Jahren wird Tiziano Vecellio von Kaiser Karl V. zum offiziellen Maler der Serenissima ernannt. Von Ferrara bis Urbino, von Mantua bis Rom, von Karl V. bis zu Felipe II – Tizian wird zur Marke, seine Werke zum Fetisch der Aristokraten europäischer Höfe.

Der Film zeichnet seine Biographie nach – vom jungen Träumer bis zum scheidenden Greis. Sein Werdegang, befeuert durch seine stetige Suche nach Ruhm und Reichtum, wird begleitet von diversen Schicksalsschlägen. Politisch ist Europa zerklüftet. Die Höfe Italiens, das Kaiserreich und die Kirche ringen um Anerkennung. Die Malerei wird zum Ausdruck ihrer Macht. In diesem Konfliktfeld muss sich Tizian behaupten, um seinen Erfolg zu sichern. Entlang der Hauptwerke Tizians wird die europäische Kulturgeschichte erzählt. Begleitet wird der Kampf um Anerkennung mit der zweimal wiederkehrenden Pest. Die Erfolgsgeschichte Tizians als Farbmeister der Hochrenaissance hat dunkle Parallelen zur Gegenwart. Menschliche Verluste sind die größten Entbehrungen seiner Zeit, vor allem in seiner eigenen Familie. Angst macht sich breit und begrenzt Tizians Expansionsträume.

Reenactments in der Pracht der Farben Tizians bilden eine Zeitreise ins 16. Jahrhundert. Es sind malerische Nachempfindungen. Historische Kostüme bieten kreative Mittel der Abstrakion, Stoffe wehen im Wind, Kleider gleiten entlang der Kopfsteinpflaster Venedigs. Auch einige Gemälde werden nachinszeniert. Menschen erstarren zu Tableaus – sie wirken lebendig und doch wie gezeichnet. Interviews mit HistorikerInnen, KuratorInnen und KünstlerInnen schaffen den Spagat in die Gegenwart. Ein Besuch bei Jeff Koons in seinem New Yorker Riesenatelier zeigt das Erbe Tizians, dessen Marketingstrategie und Unternehmergeist bis heute von zeitgenössischen KünstlerInnen gelebt und perfektioniert werden. Vor der Kulisse venezianischer Prachtbauten, des Prado, Kunsthistorischen Museum Wiens, Capodimonte Neapel und vieler anderer Orte reist der Film durch die Kulturhäuser Europas.

Wie schafft es Tizian im Europa seiner Zeit mit Talent und Unternehmergeist nicht nur seine Kunst, sondern auch seine Verkaufsstrategien zu erneuern? Was macht sie maßgebend für die Kunstwelt der Gegenwart?

Regie: Giulio Boato
Producer: Tuan Lam
Produzent: Marco Caberlotto, Christian Beetz
Redaktion: Dieter Schneider

Koproduktion

Kooperation