Einstürzende Neubauten

Ein filmischer Rückblick auf Deutschlands spannendste Band neben Can und Kraftwerk. Birgit Herdlitschke und Christian Beetz haben sich auf die Reise in die Vergangenheit gemacht und die Geschichte der Berliner Band nachgezeichnet und kommentiert.

„Einstürzende Neubauten ist ein positives Geräusch, vielleicht das Positivste überhaupt. Alte Gegenstände, Bedeutungen, Gebäude und auch Musik werden zerstört. Alle Spuren der Vergangenheit werden beseitigt: Nur daraus kann etwas wirklich Neues entstehen.“ (Blixa Bargeld)


Einstürzende Neubauten

SEELE BRENNT: 20 Jahre EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN – 20 Jahre Sehnsucht

20 Jahre Einstürzende Neubauten. Ein kritisches Jubiläum. Nicht nur Grund zum Feiern, auf jeden Fall Grund genug für einen filmischen Rückblick auf Deutschlands spannendste Band neben Can und Kraftwerk. Birgit Herdlitschke und Christian Beetz haben sich auf die Reise in die Vergangenheit gemacht und die Geschichte der Berliner Band nachgezeichnet und kommentiert.

Die Anfänge in West-Berlin: April 1980. Mauerstadt, Mythos, Musikhochburg. Zwischen Todesstreifen und Abbruchhäusern, in Kellerclubs und besetzten Häusern wird getrunken, gefeiert – und Musik gemacht. In einem Betonloch unter einer Autobahnbrücke sitzen Blixa Bargeld, 21, und Andrew Unruh, 22; hämmern mit Eisenstangen auf Betonpfeiler und grölen dazu „Es ist Krieg in den Städten“. Experimentelle Musik, urbaner Lärm, Rhythmen aus (Bohr)Maschinen und Gegenständen. Dazu zerstörerische Slogans.
In der Berliner Punk- und Dilettantenszene der frühen Achtziger Jahre sind die Einstürzenden Neubauten bald eine feste Größe. Ihr erstes Album „Kollaps“, in nur 10 Tagen ohne Produzenten aufgenommen, besteht aus zuvor nie gehörter Musik: Geräusche aus Alltagsgeräten, Schrott und Preßlufthämmern, Percussion auf Brustkörben getrommelt, gesampelte Steinwürfe und Metallsplitter ergeben zusammen mit Blixas geröchelten und gekreischten deutschen Texten einen völlig neuen `Soundtrack zum Untergang´, weit entfernt vom fröhlichen Neue-Deutsche-Welle-Gedudel um sie herum.

Der Film zeigt Videomaterial aus dieser Zeit und läßt die Band selbst ihre eigene Geschichte erzählen. Sehr persönliche Rückblicke von Blixa Bargeld, N.U. Unruh, F.M. „Mufti“ Einheit, Alexander „von Borsig“ Hacke und Marc Chung, gemischt mit rarem, teilweise privatem Bildmaterial ergeben einen ganz neuen, intimen Blick auf die radikalste deutsche Band der Achtziger Jahre.
Außerdem kommen zu Wort: Der exzentrische englische Labelchef Stevo (der die Neubauten 1983 in London unter Vertrag nahm), Blixas langjähriger musikalischer Wegbegleiter Nick Cave und die ehemaligen Tourmanager Jessamy Calkin und Jäki Hildisch.
Ihr kontinuierlicher Aufstieg, der Rummel, den die Neubauten im Ausland auslösen, die Entdeckung der Band durch die Hochkultur, ihre Zusammenarbeit mit Autoren und Regisseuren wie Heiner Müller, Peter Zadek und Werner Schwab – Stationen einer ungewöhnlichen Laufbahn.
Mitte der Neunziger Jahre steigt erst Bassist und Finanzchef Mark Chung, dann auch Haupt-Klangwerker F.M. Einheit aus. Die Band droht zu zerbrechen, war sie doch immer ein erstaunlich ausbalanciertes Konstrukt fünf extremer Charaktere.

Berlin, April 2000. Die Einstürzenden Neubauten gibt es immer noch – aus dem Aufschrei von einst ist selbst ein Mythos geworden. Blixa Bargeld geht heute teuer essen, trägt keine Pfandflaschen mehr zum Kaufmann, seine maßgefertigten Anzüge haben eine eingearbeitete Handy-Tasche.

„20 Jahre und ein bißchen leiser“ (FAZ) – nach dem Ausloten aller Grenzen kann es nicht mehr um Provokation gehen. Das neueste Album der Einstürzenden Neubauten erscheint im April 2000, pünktlich zum Jubiläum.

Regie: Christian Beetz, Birgit Herdlitschke
Kamera: diverse
Ton: diverse
Schnitt: Rene Päpke
Sprecherin: Katharina Thalbach

Produktion: Christian Beetz

Koproduktion

Kooperation

  • Einstürzende Neubauten

    arte
    24. Juni 2000 um 00:00 Uhr

  • Einstürzende Neubauten

    arte
    30. Juni 2000 um 00:00 Uhr

  • Einstürzende Neubauten

    ZDF
    03. Januar 2001 um 00:00 Uhr

  • Einstürzende Neubauten

    ORF
    12. April 2001 um 00:00 Uhr

  • Einstürzende Neubauten - Seele brennt

    Goethe Institut - Bratislava Slowakei
    04. Juni 2015 um 00:00 Uhr

  • Berlin live mit Einstürzende Neubauten

    ZDF Kultur
    20. Juli 2015 um 00:45 Uhr

  • Neues Deutschland (25.08.2005)

    „Eine Szene der vor fünf Jahren produzierten Filmbiografie „Einstürzende Neubauten – Seele brennt“, die damals zum 20. Jubiläum der Band im Fernsehen lief und jetzt in einigen Berliner Off-Kinos zu sehen ist, zeigt die Bandgründer Bargeld und Unruh bei ihrer ersten Aufnahme, völlig außer sich tobend, im stählernen Innenraum einer hohlen Autobahnbrücke... Heute ist ihr Sound melodisch, poetisch, zerbrechlich. Und immer noch unverwechselbar.“

  • NDR /Filmforum

    „Eine ungewöhnliche und formal innovative Fernsehdokumentation. Ein Dokumentarfilm über eine Band, der gleichzeitig abgründige Tiefen der deutschen Geschichte aus den Archiven holt.“

  • Junge Welt

    „Birgit Herdlitschke und Christian Beetz porträtieren eine Band, die wie nur wenige das Lebensgefühl einer ganzen Generation der frühen 80er Jahre verkörperte. Dabei zeigen sie eine Menge bisher unveröffentlichtes Materials, und es gelingen sehr persönliche Einblicke in die Entwicklung einer Band, die noch stets als pressescheu galt“