Nicht meine Schande – Geschichte eines Missbrauchs

Auf den ersten Blick hat Marcia alles, um glücklich zu sein: Sie ist jung, schön, sie hat Kinder und einen liebevollen Ehemann. Doch an ihrem 10. Hochzeitstag versucht sie, sich das Leben zu nehmen. Erst dann beginnt sie, ein tief verwurzeltes Trauma aus Kindertagen aufzuarbeiten. Sie begibt sich auf eine Reise in die eigene Vergangenheit.

In dem Dokumentarfilm „Nicht meine Schande – Geschichte eines Missbrauchs” stellt sich Marcia Wickham ihrem Trauma, von ihrem eigenen Vater als Kind jahrelang sexuell missbraucht worden zu sein. Der Film entstand über einen Zeitraum von sieben Jahren aus 55 Stunden VHS-Heimvideos. Zum ersten Mal spricht Marcia Wickham in der Öffentlichkeit von ihren Erfahrungen als Kind.


Nicht meine Schande – Geschichte eines Missbrauchs

„Nicht meine Schande – Geschichte eines Missbrauchs” ist ein 75-minütiger Dokumentarfilm über den Versuch der Bewältung eines Traumas – erzählt von Marcia Wickham, die als Kind über Jahre von ihrem eigenen Vater sexuell misbraucht wurde. Ihr Vater Patrick vergewaltigt sie im Alter von acht bis vierzehn Jahren jede Woche, immer sonntags. Er hört erst damit auf, als er verkündete, Jesus Christus gefunden zu haben und ein wiedergeborener Christ zu sein, der fortan von allen Sünden gereinigt sein würde. Schön für ihn…

Marcia versucht, den unvorstellbaren Horror der vergangenen Jahre hinter sich zu lassen. Sie heiratet mit 17 und adoptiert zwei Kinder. Dann stirbt ihr Vater. Er wurde für seine Taten nie bestraft, nahm seine Schuld sprichwörtlich mit ins Grab. Marcia will glauben, sein Tod hätte sie von der Last befreit. Aber sie liegt falsch. Nach seiner Beerdigung erfährt Marcia, dass ihr älterer Bruder ebenfalls missbraucht worden war. Diese Erkenntnis lässt das Verdrängte aufbrechen, sie verliert die Kontrolle: Sie wird zurückgeworfen in ihre Kindheit, Orte, Klänge, Gerüche, phyische Erfahrungen von damals werden omnipräsent.

Irgendwann sind die Gefühle, die Marcias Flashbacks hervorrufen, nicht mehr auszuhalten: der physische Schmerz, der psychische Terror, die Scham und der Horror ihrer Erinnerung. An ihrem 10. Hochzeitstag versucht Marcia sich mit acht Ritalin-Tabletten umzubringen. Sie erleidet einen Herzinfarkt und liegt anschließend für zwei Tage im Koma. Als sie aufwacht, befindet sie sich auf der psychiatrischen Station eines städtischen Krankenhauses. Es folgt eine fast zehn Jahre andauernde Therapie.

Menschen, die sich in hohem Maße autodestruktiv verhalten, antworten damit fast immer auf eine Verletzung aus der Vergangenheit. Vielleicht ist es ein Schmerz, der tief im Gedächtnis verankert ist. Vielleicht erleben sie ihn wieder und wieder und er überkommt sie, wenn sie am wenigsten damit rechnen. Vielleicht fürchten sie, diesen Schmerz nie loszuwerden.

Und doch war Marcia durch die Therapie in der Lage, ihr Trauma aufzuarbeiten. Der Film zeichnet nach, wie ihr das Unmögliche gelingt: zu vertrauen, zu lieben, Liebe zu akzeptieren, sich selbst zu lieben – insbesondere ihren eigenen Körper. In diesem Film spricht Marcia zum ersten Mal in der Öffentlichkeit, und ohne Schuld oder Scham zu empfinden, von ihren Erfahrungen als Kind und ihrer Genesung.

Regie:
Jonathan Fisk Bulette

Co-Regie:
Jason B. Kohl
Nora Mandray

Buch:
Jonathan Fisk Bulette
Jason B. Kohl
Nora Mandray
Virdinia Lieberman

Produzent:
Christian Beetz
Jonathan Fisk Bulette

Producer:
Caroline Schaper
Jason B. Kohl
Nora Mandray
Barrant Nelson

Executive Producer:
Stone Roberts

Herstellungsleitung:
Megan Boal
Roman Palylyk
Kathrin Isberner

Kamera:
Barrant Nelson (DOP)
Brandon Widener

Schnitt:
Viridiana Lieberman

Musik:
Nicholas Oddy

Ton:
David Goldman
Musegarden Recording NYC
Andy Taub
Brooklyn Recording

Szenenbild:
Victoria Lancaster

Postproduktion:
Stacy Scripter
Xavier Agudo
Michael Czeizinger

Produktionsleitung:
Brianna Harris
Sellina Santiago
Dani Eddy

Redaktion:
Eric Friedler (NDR)

Kooperation

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  • Nicht meine Schande – Geschichte eines Missbrauchs

    NDR
    19. August 2020 um 00:00 Uhr