TERRA X: Mächtige Männer – Ohnmächtige Frauen?

Die Populärwissenschaft zitiert diese Klischees rauf und runter, da können Frauen nicht einparken, Männer schlecht kommunizieren, die einen lieben Beeren und die Farbe pink, die anderen profilieren sich mit Jagdinstinkt und räumlichem Vorstellungsvermögen. Einen Unterhaltungswert haben derartige Erkenntnisse durchaus, nicht weiter erwähnenswert, wäre da nicht das Dilemma der daraus hergeleiteten ‚natürlichen Ordnung‘. Sie hat sich in die kulturelle DNA eingeschrieben, reproduziert in Schulbüchern, in den Medien, im Berufs- und Privatleben. Ihre Geschichte liegt weit zurück und findet ihren Ursprung – so die landläufige Meinung – in der steinzeitlichen Jäger- und Sammlergesellschaft. Doch was wissen wir eigentlich über die Geschlechterrollen aus jener Zeit, zu der es keine Dokumente gibt und viele Puzzleteile im Nachhinein zusammengefügt werden?

News

  • - Nominierung für "Mächtige Männer – Ohnmächtige Frauen. Neue Fakten aus der Vergangenheit"

    Die Terra-X-Dokumentation „Mächtige Männer – Ohnmächtige Frauen. Neue Fakten aus der Vergangenheit“ hinterfragt lang tradierte, wissenschaftliche Ergebnisse und deren Forschungsgeschichte [...]

    Die Terra-X-Dokumentation „Mächtige Männer – Ohnmächtige Frauen. Neue Fakten aus der Vergangenheit“ hinterfragt lang tradierte, wissenschaftliche Ergebnisse und deren Forschungsgeschichte – und ist dafür viermal auf internationalen Filmfestivals nominiert worden: SILBERSALZ, Deutschland (Science and Media Awards – Best European Documentary Feature), Pariscience, Frankreich (Science Télévision Competition), Arkhaios Film Festival, USA (in Competition), China International Conference of Science & Education Producers (China Dragon Award). Wir freuen uns auf den Diskurs.


TERRA X: Mächtige Männer – Ohnmächtige Frauen?

Die Populärwissenschaft zitiert diese Klischees rauf und runter, da können Frauen nicht einparken, Männer schlecht kommunizieren, die einen lieben Beeren und die Farbe pink, die anderen profilieren sich mit Jagdinstinkt und räumlichem Vorstellungsvermögen. Einen Unterhaltungswert haben derartige Erkenntnisse durchaus, nicht weiter erwähnenswert, wäre da nicht das Dilemma der daraus hergeleiteten ‚natürlichen Ordnung‘. Sie hat sich in die kulturelle DNA eingeschrieben, reproduziert in Schulbüchern, in den Medien, im Berufs- und Privatleben. Ihre Geschichte liegt weit zurück und findet ihren Ursprung – so die landläufige Meinung – in der steinzeitlichen Jäger- und Sammlergesellschaft. Doch was wissen wir eigentlich über die Geschlechterrollen aus jener Zeit, zu der es keine Dokumente gibt und viele Puzzleteile im Nachhinein zusammengefügt werden?

Eine archäologische Spurensuche führt den Zuschauer in verschiedene Epochen und zu sensationellen Funden auf der ganzen Welt, die die Frage lauter werden lassen: Müssen die Geschlechterrollen in der Geschichte der Menschheit neu überdacht werden? In Stockholm, zum Beispiel, haben ArchäologInnen das Geschlecht eines Wikinger-Skeletts analysiert, bestattet in Birka mit vielen Waffen und zwei Pferden, den Attributen eines Mannes. Noch bis zum Sommer 2017 galt das Skelett als Relikt eines hochrangigen Kriegers, bis über eine DNA-Analyse eine Frau identifiziert wurde. Schnell hagelte es Kritik und die Stockholmer ForscherInnen haben mit einer weiteren Studie geantwortet: Ja, es ist eine Frau – und noch besser, sie war eine Kriegerin.

Immer mehr verdichten sich Indizien, dass Wissenschaftler in der Vergangenheit mit Automatismen und der Brille der Voreingenommenheit zu schnell Fakten geschaffen haben, die zu wenig hinterfragt wurden, so auch bei den Jagdszenen und Tierdarstellungen in den steinzeitlichen Höhlen von Altamira und Lascaux. An den Felswänden sich Handabdrücke zu sehen, eine Art Signatur der Künstler. Lange Zeit sprachen Wissenschaftler von Jägern, die ihr Erlebtes an den Wänden verewigt haben – also von Männern, die auch in der Kultur formgebend sein sollen. Wissenschaftler in der forensischen Anthropologie der Universität Liverpool haben mit der so genannten ‚geometric morphometric technique’ die Handabdrucke analysiert und sagen heute mit einer mehr als 90-prozentigen Sicherheit: Viele Handabdrucke stammen von Frauen…

Die Reise führt den Zuschauer weiter nach China, in eine historische Stadt der Henan Provinz. Hier liegt ein Gräberfeld mit Knochenfunden, die mehrere Jahrtausende umspannen – von der Jungsteinzeit bis zur Bronzezeit. Dank der Isotopenanalyse können Forscher heute mehr über Lebensstil, Nahrung, Gesundheit der damaligen Bewohner herausfinden. Die Ergebnisse sind überraschend: Während es in der Steinzeit kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen gab, was Nahrung und Gesundheit anbelangt, wurden Frauen im Übergang zur Bronzezeit zunehmend kleiner, waren schlechter ernährt, weniger prunkvoll bestattet – so das Beispiel in der historischen Stadt Chinas. Was sind die Ursachen für dieses Ungleichgewicht? Was sind die Folgen, die bis heute zur Lebensrealität der meisten Menschen geworden sind?

Regie: Birgit Tanner, Carsten Gutschmidt
Nach einer Idee von: Daniela Pulverer, Boris Raim
Kamera: Jens Boeck
Montage: Holger Fink
Creative Producer: Tuan Lam
Produzenten: Reinhardt Beetz, Christian Beetz
Redaktion: Ruth Omphalius (ZDF), Peter Allenbach (ARTE)
Produktionsleitung: Sebastian Johannsen

Kooperation

ZDF Arte
  • Geschlechterkonflikt – Frauenbilder der Geschichte

    ARTE
    07. März 2020 um 21:05 Uhr

  • TERRA X: Mächtige Männer – Ohnmächtige Frauen? Neue Fakten aus der Vergangenheit

    ZDFneo
    30. August 2020 um 11:25 Uhr