Jew by Choice

Bis zu 100 deutsche Christen oder Atheisten melden sich pro Jahr bei jüdischen Gemeinden in Deutschland und Israel mit der Bitte, konvertieren zu dürfen.
Dieser Film zeigt, wie und warum Menschen ihre Sehnsucht nach Identifikation mit dem Judentum in die Tat umsetzen, wie ihre alte Umwelt darauf reagiert und wie sie in ihrer neuen Umwelt aufgenommen werden.


Jew by Choice

Als Deutscher das Judentum zu wählen und zu konvertieren ist ein gewagter Schritt. Nicht nur bedeutet die Konversion eine Neuverortung der eigenen Heimat und Identität. Man stößt auch auf erstaunlich viele Ängste und Vorurteile. Wie stark kann das Deutsch-Sein und damit auch immer der Holocaust als historische Assoziation von der Person abstrahiert werden? Was sagen die bürgerlichen Eltern, wenn der allwöchentliche Sonntagsschweinebraten plötzlich nicht mehr gegessen wird? Der Dokumentarfilm „Jew by Choice“ begleitet drei Menschen in unterschiedlichen Phasen ihres Lebenswegs in Deutschland und Israel. Er bringt auf emphatische Weise die tiefen Ambivalenzen zutage, denen sich deutsche Konvertiten durch ihre Entscheidung ausliefern. Nico B. ist ein 22-jähriger Student aus dem Ruhrpott und lebt und arbeitet nun in einem Kibbuz in Israel. Er hat noch alle drei Stationen der Konversion vor sich: Gericht, Beschneidung und Rituelles Tauchbad. Auf den ersten Blick wirkt er etwas unbesonnen und unbeholfen, bodenständig, „deutsch“. Im Laufe des Films überzeugt er jedoch immer stärker. Zwischen lapidaren Äußerungen entpuppt er sich als sensibler Typ, der sich lange eingehend mit der neuen Religion beschäftigt hat und sich über ihre Rolle auf seine Identität durchaus bewusst ist. Der 48-jährige Secharjah entscheidet sich kurz nach seiner Konversion in Deutschland nach Israel auszuwandern. Er will unter Juden leben. Die ehemalige Richterin Yael arbeitet seit mehreren Jahren als Fremdenführer in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Sie ist in den 80er Jahren konvertiert, pendelt seitdem zwischen Deutschland und Jerusalem und resümiert mit großer Klarheit die Tragweite ihrer Entscheidung. Wie einschneidend eine Konversion tatsächlich ist, wird klar, wenn der Student Nico B. zum ersten Mal – nun als Jude – zu seinen Eltern nach Deutschland zurückkehrt. „Jew by Choice“ bewegt sich in der empfindlichen Zone des deutsch-jüdischen Verhältnisses. Für Außenstehende ein schwer fassbares seelisches Abenteuer auf der Suche nach Zugehörigkeit, zeigt er jedoch ebenso großes Verständnis innerhalb zwischenmenschlicher Beziehung.
Dieser Film zeigt, wie und warum Menschen in Deutschland ihre Sehnsucht nach Identifikation mit dem Judentum in die Tat umsetzen, wie ihre alte Umwelt darauf reagiert und wie sie in ihrer neuen Umwelt aufgenommen werden.

Buch/ Regie: David Bernet, Robert Ralston
Kamera: Robert Ralston
Schnitt: Sarah J. Levine
Ton: David Bernet
Musik: Jan Tillmann Schade, Orna Ralston
Mischung: Dirk Schwibbert
Produzenten: Christian Beetz, Idan Regev
Producer: Eva Rink, Yael Ben Shloosh
Redakteure: Andrea Ernst (WDR), Yosi Mulla (Channel 2 Israel)

Koproduktion

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    24. Oktober 2011 um 05:00 Uhr